Rund 100 Tage vor der Eröffnung der CeBIT 2012, sehen die Organisatoren dem Start der weltgrößten IT-Messe am 6. März 2012 gelassen entgegen. „Wir liegen bei allen Werten über denen des Vorjahres“, sagte Frank Pörschmann, Senior Vice President der CeBIT bei der Deutschen Messe, auf der Vor-CeBIT-Pressekonferenz Ende November in München. In der internationalen ITK-Branche stecke eine ungeheure Dynamik. „Die technologische Entwicklung und ITK-gestützte Geschäftsmodelle verändern die globalen Märkte spürbar“, stellte der Messeverantwortliche fest. Diese Dynamik will Pörschmann auch für die CeBIT nutzen.

Ein Motto, vier Plattformen und fünf Megatrends

Thematisch steht die CeBIT unter dem Motto „Managing Trust“. Damit wollen die Veranstalter Themen rund um Vertrauen und Sicherheit in der IT in den Mittelpunkt der Diskussionen stellen. „Vertrauen in moderne Technologien und Dienstleistungen ist die zentrale Voraussetzung für Wachstum der digitalen Wirtschaft“, begründet Pörschmann die Wahl. Vor dem Hintergrund der wachsenden Bedeutung von Cloud Computing, global eingesetzten ITK-Angeboten und der Vielfalt an Mobilgeräten lasse sich die Sicherheitsproblematik nicht allein auf technische Aspekte reduzieren. Auch internationale rechtliche und organisatorische Sicherheitsfragen seien ein wichtiges Thema.

Eine Ebene unter dem großen Leitthema greifen die Messeplaner auf die bereits im Vorjahr genutzte Gliederung in vier Plattformen zurück: CeBIT pro, CeBIT lab, CeBIT gov und CeBIT life. Dieses Konzept mit einer habe sich bewährt, konstatierte Pörschmann. Aussteller und Besucher hätten die klare Plattformgliederung honoriert.

Darüber hinaus haben Pörschmann und sein CeBIT-Team fünf Megatrends ausgemacht, die das Bild der CeBIT nächstes Jahr prägen sollen. Diese Trends sind (Auto-) Mobilität, Energie, Gesundheit, Urban Technologies und Innovation Management. „Wir werden im kommenden Jahr noch mehr Energie- und Logistikunternehmen, Automobilhersteller und Firmen aus der Contentindustrie auf der CeBIT sehen“, kündigte Pörschmann an. Diese Aussage lasse sich aus der Erkenntnis heraus begründen, dass die IT heute weite Teile des Lebens beeinflusse.

Neuer Ausstellungsschwerpunkt „Logistics IT“

Beispielsweise bestimmten logistische Prozesse immer stärker den Wettbewerb. Deren Verwaltung über die gesamte Wertschöpfungskette sei ohne IT nicht denkbar. Daher werde es auf der CeBIT 2012 einen neuen Ausstellungsschwerpunkt „Logistics IT“ geben, sagte Pörschmann. Ein anderer Ausstellungsbereich soll sich um das Management der Mega-Cities von Morgen drehen. Urban Technologies sei einer der großen Trends, der im neuen Ausstellungsbereich „Urban Solutions“ Konzepte für das Thema vorstellen soll. „Die Zahl so genannter Megacities steigt mit großer Geschwindigkeit an“, so Pörschmann. „Schon heute lebt mehr als die Hälfte der weltweiten Bevölkerung in Städten.“ Um auf diese Herausforderung zu reagieren, benötigten die Städteplaner die Hilfe der IT.

Aber nicht nur die Wirtschaft wandelt sich. Die IT durchdringe außerdem alle Bereiche der Mobilität, stellen die Messeveranstalter fest. Smartphones und portable Gadgets, denen erstmals in Hannover eine eigene Sonderschau gewidmet wird, prägten das private Leben. Autos dienten zunehmend als Unterhaltungsplattformen, ITK-Lösungen gestalteten Sport und Musik, Spiele virtualisierten sich immer weiter. Diese Trends will die Messe mit der neuen branchenübergreifenden „CeBIT C³ Conference“ aufgreifen, die sich unter dem Dreiklang Content, Creativity und Convergence auf die Suche nach Synergieeffekten in diesen unterschiedlichen Bereichen machen soll.

Eine weitere Neuerung auf der CeBIT 2012 ist der Wettbewerb CODE_n12, der sich an Startups wendet und Lösungen zum Thema „Shaping Mobile Life“ sucht. Die 50 innovativsten Ideen zur mobilen Zukunft werden auf der Messe vorgestellt und die beste IT-Lösung mit dem CODE_n12-Award in Höhe von 25.000 Euro ausgezeichnet. Pörschmann zufolge haben sich bereits rund 200 Unternehmen aus 26 Ländern um einen CeBIT-Auftritt und den Award beworben.

„Es wird eine bunte und erlebnisreiche Messe“, versprach Pörschmann und stellte für die verbleibenden Wochen bis zur weltgrößten IT-Show noch die eine oder andere Überraschung in Aussicht. Für Schwung und Farbe in der niedersächsischen Landeshauptstadt könnte im März kommenden Jahres auch Brasilien sorgen. Das Partnerland der CeBIT 2012 sei als dynamischer Wirtschafts- und Technologiemarkt nicht nur für den Absatz interessant, sondern entwerfe auch selbst technische Lösungen. Der größte südamerikanische Markt sei gerade in den kommenden Jahren sehr interessant. Im Hinblick auf die Fußballweltmeisterschaft 2014 und die Olympischen Spiele zwei Jahre später, winkten umfangreiche Infrastrukturprojekte – mit einem entsprechenden IT-Anteil. Pörschmann taxierte das Gesamtvolumen dieser Vorhaben auf über 50 Milliarden Euro.

Prima Klima in der deutschen ITK-Branche

Diese Projekte dürften auch für die deutsche ITK-Industrie interessant sein. Derzeit sehen sich die hiesigen Anbieter in einer guten Position. Mit Blick auf das gute Geschäftsklima, will auch der Branchenverband Bitkom sein Engagement auf der CeBIT verstärken. „In der aktuellen Konjunkturumfrage des Bitkom berichten mehr als zwei Drittel der ITK-Unternehmen von steigenden Umsätzen im vierten Quartal“, sagte dessen Präsident Dieter Kempf. Trotz der Finanzkrise sieht er die Branche in Deutschland in einer stabilen wirtschaftlichen Lage. „Die ITK-Anbieter blicken optimistisch in das Jahr 2012.“

Allerdings sieht Kempf Handlungsbedarf beim Thema Sicherheit. Speziell in drei Kernpunkten spiele das CeBIT-Kernthema Managing Trust aus der Sicht des Bitkom-Präsidenten eine wichtige Rolle. Zum einen müsse die Wirtschaft nicht nur sichere und transparente Dienste gewährleisten, sondern auch die nötige Sicherheitstechnik bereitstellen.

Gleichzeitig stünden die Anwender in der Pflicht, durch Selbstschutz ihrer Daten und den Einsatz von Security-Software vorzusorgen. Schließlich plädiert er für politische Rahmenbedingungen, die den Schutz der Verbraucher garantieren. „Die CeBIT ist die ideale Plattform, um Politik, Wirtschaft und Anwender in einen Dialog über Vertrauen zu bringen“, resümiert Kempf.

Allerdings gelte es an dieser Stelle, die richtige Balance zu finden. Zu viel Regulierung durch staatliche Stellen erteilt Kempf eine Absage und fordert dagegen mehr Selbstverpflichtungsanstrengungen, Aufklärung und Transparenz auf Seiten der Anbieter. Außerdem müsse sich auch der Staat an seinen rechtlichen Rahmen halten, mahnt der Bitkom-Manager. Die Pannen um den Bundes-Trojaner hätten das notwendige Vertrauen empfindlich gestört.

Nutzer halten Daten im Internet für unsicher

Dass Sicherheit und Vertrauen für Anwender letztlich ein entscheidendes Problem darstellen, lässt sich anhand einer Umfrage des Verbands ablesen. Dabei sagten 55 Prozent der befragten Internetnutzer aus, dass sie ihre Daten im Netz tendenziell für unsicher halten. Von Seiten der Unternehmen werde dem Thema Sicherheit noch relativ wenig Beachtung geschenkt, kritisiert der Branchenverband.

So gaben mehr als die Hälfte von befragten CIOs laut einer von Ernst&Young erhobenen Studie an, keinerlei spezielle Kontrollmechanismen für ihre Cloud-Anwendungen zu haben. Anwender, Politik und Wirtschaft sollten daher ein großes Interesse daran haben, die Sicherheit im Netz zu garantieren und Vertrauen in der IT zu schaffen, mahnt Kempf. „Wie kann die Cloud-Idee funktionieren, wenn über die Hälfte der Nutzer Sicherheitsbedenken hegten“, fragt sich der Manager und stellt klar: „Das müssen wir ändern.“

Der Artikel wurde am 23. November 2011 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.