CA Technologies möchte nicht nur Mainframe-Produkte anbieten, sondern auch in andere Marktbereiche vordringen. Christoph Rau, Geschäftsführer in Deutschland, spricht im Interview auf der CA Expo 2012 in Mannheim über die aktuelle Strategie des Softwareunternehmens.

CW: Herr Rau, CA Technologies hat sich in der Vergangenheit stark auf den Mainframe-Bereich konzentriert. Hat dieses Segment noch eine Zukunft?

RAU: CA hat einen soliden Bestand an Kunden, möchte aber auch Neukunden gewinnen. Diese sollen nicht nur aus dem Mainframe-Bereich kommen, sondern auch neue Produkte erhalten. Zwar erwirtschaften wir weltweit ungefähr die Hälfte unseres Geschäftes im Mainframe-Segment. Der Bereich ist also stabil und bietet noch Spielraum. Aber es gibt auch andere Bereiche in denen wir unsere Produkte anbieten möchten.

CW: Was sind das für Bereiche?

RAU: CA Technologies möchte neue Kunden im Enterprise-Business gewinnen. Wir sehen, dass die Anforderungen an die IT steigen. Gleichzeitig können die IT-Abteilungen nicht das leisten, was von ihnen verlangt wird. Sie sollen effizienter werden und sparen, aber gleichzeitig innovativ sein. Die IT wird immer komplexer, IT-Abteilungen haben aber immer weniger Spielraum. 80 Prozent des Budgets wird für bestehende Prozesse ausgegeben. Gleichzeitig existiert das Problem, dass Benutzer über heterogene Plattformen auf Anwendungen zugreifen. Zudem wollen diese Nutzer neue Anwendungen. Unser Angebot geht daher in zwei Richtungen. Zum bieten wir IT-Abteilungen an, bestehende Infrastrukturen effizienter zu gestalten. Das erreichen wir mit Software, die Netzwerk- und Systemlandschaft organisiert. Die Infrastruktur wird damit schlanker und lässt sich auf andere Plattformen migrieren. Zum zweiten können wir den CIOs anbieten, Innovationen voranzutreiben. Also letztlich mehr und leistungsfähigere Anwendungen auf den Markt zu bringen.

CW: Wie erreichen Sie das?

RAU: Wir schaffen das in drei Bereichen. Zum einen bieten wir Service-Virtualisierung an. Damit virtualisiert man Laufzeitumgebungen mit denen sich Anwendungen entwickeln lassen. Kunden haben dadurch die Möglichkeit, Anwendungen während der Entwicklung zu testen, ohne dass sie auf eine Testumgebung wechseln müssen. Das spart Kosten und die Anwendung ist schneller marktreif. Der zweite Bereich ist Serviceautomation, also Anwendungen über Cloud-Technik bereitzustellen. Der Vorteil ist die Skalierbarkeit, da ich Ressourcen auf- und abbauen kann. Schließlich wird Mobile-Device-Management immer wichtiger. Das resultiert aus dem Wachstum im Cloud-Bereich. Verschiedene Benutzergruppen müssen mit unterschiedlichen Techniken über verschiedene Plattformen sowie Browser auf Anwendungen zugreifen können.

CW: Wird der CIO mit diesen Angeboten überflüssig?

RAU: Wir liefern dem CIO das Handwerkszeug. Er bekommt die Möglichkeit, seiner Geschäftsleitung zu zeigen, wie sich Prozesse effektiver gestalten lassen. Wir wollen nicht der Service-Anbieter sein. Allerdings besteht für den CIO das Problem, dass Anforderungen an ihn gestellt werden, die er nicht unmittelbar erfüllen kann. Er kann sich aber mit den Werkzeugen an die Geschäftsleitung wenden und Möglichkeiten skizzieren. Zudem bietet sich damit die Chance, das Business in die Entwicklung einzubeziehen. Zum Beispiel kann ich in einer simulierten Umgebung zeigen, wie eine Anwendung aussehen kann und ob sie alle Anforderungen erfüllt. Der CIO wird zum Chief Innovation Officer. Ein Beispiel ist die Mobilitätsplattform „moovel“ von Daimler. Mit dem Angebot bündelt das Unternehmen Services verschiedener Anbieter und bietet dem Kunden Navigationsoptionen per App oder mobiler Website an. Das Projekt wurde realisiert, weil sich IT und Geschäftsführung zusammen überlegt haben, wie sie einen Mehrwert schaffen. Kann ein CIO erklären, welchen Nutzen eine Anwendung hat, dann fängt auch die Geschäftsleitung an, darüber nachzudenken.

CW: Der CIO kann diese Rolle häufig nicht einnehmen, da er in der Geschäftsführung außen vor bleibt. Bürden Sie ihm damit nicht eine Rolle auf, die er gar nicht erfüllen kann?

RAU: Der CIO soll ja nicht als CEO berufen werden. Natürlich bestehen zwischen den Beiden Unterschiede, was zum Problem werden kann. Allerdings ist das der mangelnden Kommunikation geschuldet. Viele CIOs beobachten in den Unternehmen eine Ignoranz gegenüber IT-Themen. Der CEO versteht häufig nicht, was sich mit Mitteln der Informationstechnik an Nutzen erzeugen lässt. Der CIO wird in vielen Unternehmen nicht in strategische Entscheidungen einbezogen. Also lässt sich das Unternehmen mögliche Wertschöpfungen entgehen.

CW: CA Technologies will die Geschäfte mit Großunternehmen ausbauen. Gibt es hier Fortschritte?

RAU: In Deutschland auf jeden Fall. Wir haben die Präsenz in Großunternehmen weiter ausgebaut. Außerdem haben wir neue Kundenbeziehungen geknüpft. Hierbei handelt es sich etwa um Unternehmen aus der Versicherungsbranche und dem Automobilsektor. Die Projekte sind aber in der Aufbauphase. Die Kunden verlangen seltener klassische „Managed Infrastructure Services“. In erster Linie konzentrieren sie sich auf Service-Virtualisierung. Ein anderes Thema ist Security. Unsere Kunden wollen mit ihren Produkten Kunden binden. Ein Beispiel ist ein deutscher Automobilhersteller, der eine individuelle Sicherheitslösung haben wollte. Ziel war es, über Facebook und Twitter Kunden über ein neues Auto zu informieren und auf die Website zu lotsen. Der Nutzer hat keine anonyme Identität mehr und gibt kritische Daten preis. Unser Kunde benötigte also eine Security-Lösung. Das Unternehmen muss gewährleisten, dass die Daten vertraulich behandelt werden. Das Tool soll nicht die Zugangskontrolle übernehmen, sondern neue Benutzergruppen verwalten. Damit kann der Kunde direkt angesprochen werden.

CW: Plant CA Technologies auch Infrastrukturen und Plattformen für die Automobilindustrie anzubieten?

RAU: Wir können uns natürlich vorstellen Infrastrukturen und mobile Geräte für Fahrzeuge zu managen. Da Autos selbst zu einem Mobilgerät im Gesamtnetzwerk werden, können wir uns dem Trend nicht verschließen. Das fängt bei der Zugangskontrolle der Geräte an, bei denen der Nutzer bestimmte Zugangscodes hat, die sich aus seinem Vertrag ergeben. Das Auto bekommt so eine Rolle im Netzwerk. Wir machen aber kein Mobil-Device-Management für Automobile.

CW: Für andere Bereiche bieten Sie Tools für Mobile-Device-Management an. Wie bewerten Sie die Skepsis einiger Unternehmen gegenüber „Bring your own Device“?

RAU: Das Thema Bring your own Device ist nicht mehr aufzuhalten. Dahinter steckt ein Produktivitätsfaktor, den man nicht überschätzen kann. Natürlich gibt es skeptische Töne, die sich auf die Datensicherheit beziehen. Ich halte das aber für ein vorgeschobenes Argument. Es geht doch darum, wie die Mitarbeiter mit einem Mobilgerät auf Unternehmensdaten zugreifen. Wenn CIOs skeptisch sind, dann vor allem, weil sie keine vernünftige Strategie haben. Wenn sie eine vernünftige Strategie hätten, dann wäre das kein Thema.

CW: Wie unterscheidet sich ihr Portfolio von Wettbewerbern wie IBM, HP oder EMC?

RAU: Keiner der genannten Firmen, mit Ausnahme von IBM, hat die Breite in den Bereichen Software sowie Infrastruktur. Diese Anbieter decken nur einen Teil ab. Wir bieten Produkte in den Bereichen Security, Service-Virtualisierung oder Cloud Computing an, was etwa BMC oder Compuware nicht tun. Lediglich IBM sehen wir als direkten Wettbewerber. Sie sind aber auch unser Kunde, da in vielen Rechenzentren von IBM Software von CA eingesetzt wird. Wenn ich als Kunde einen Anbieter suche, dann benötige ich einen verlässlichen Partner. Wenn IBM eine Software anbietet, die sie durch den Kauf von Green Hat in ihr Portfolio aufgenommen haben, dann ist das nur die zweitbeste Lösung. Ich muss als Unternehmen verschiedene Themen besetzen und neue Benutzer ansprechen. Das erreichen wir mit unserem Portfolio.

CW: Die CA Expo findet dieses Jahr zum neunten Mal statt. Welchen Stellenwert hat die Konferenz für CA Technologies?

RAU: Das ist unsere wichtigste Veranstaltung in Zusammenarbeit mit Partnerunternehmen. Die CA Expo findet an allen weltweiten Standorten statt. Wir organisieren keinen großen Stand auf der CeBIT, da wir lieber in eine eigene Veranstaltung investieren. Wir können unsere Kunden einladen und uns auf ihre Bedürfnisse konzentrieren.

Das Interview wurde am 04. November 2012 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.