Bereits auf der CeBIT im März deutete sich an, dass die Automobilhersteller auf mehr IT in ihren neuen Modellen setzen. Während der Messe präsentierte zum Beispiel Audi seinen neuen A3 mit dem Telematiksystem „Connect“. Von außen betrachtet zunächst unscheinbar, versteckt sich die Innovation im Inneren. Auf Knopfdruck fährt ein Display aus dem Armaturenbrett, auf dem der Fahrer nicht nur ein herkömmliches Navigationssystem steuern kann, sondern auch verschiedene Multimedia-Dienste an die Hand bekommt. Aber nicht nur Audi treibt die Entwicklung voran. BMW hat mit „ConnectedDrive“ eine ähnliche Technik bereits seit Jahren im Portfolio. Gleichzeitig bietet Mercedes-Benz seit kurzem mit „Comand Online“ Services an, die in die gleiche Richtung deuten.

Die Stoßrichtung dieser Initiativen ist klar: Die Autos sollen dauerhaft mit dem Internet verbunden werden sowie untereinander („Car-to-Car“) und mit ihrer Umgebung („Car-to-Infrastructure“) kommunizieren können. Der Digital Lifestyle, wie ihn die Nutzer von Mobilgeräten kennen, wird mit Telematiksystemen in die Fahrzeuge übertragen. Allerdings sind die Systeme in ihrem Funktionsumfang noch limitiert. Office-Anwendungen finden sich nur spärlich. Dafür halten etwa soziale Medien und News-Funktionen Einzug in den Autos.

Das Auto als Hotspot

Audi hat mit Connect ein System auf den Markt gebracht, das eine handelsübliche Handy-SIM-Karte verwendet. Die Anlage ist für nahezu alle Modelle vom A1 bis zum Q7 erhältlich. Allerdings müssen sich Kunden vor dem Kauf bewusst darüber sein, dass sie zwei Sonderausstattungen für den Internet-Zugang benötigen. Dazu gehören „MMI Navigation plus“ mit Touchpad-Eingabe für 3500 Euro und das Autotelefon „Bluetooth online“, das noch einmal 890 Euro kostet. Der Kunde erhält damit als Alternative zum Mobiltelefon ein UMTS-Modul. Möchte man das System ohne Smartphone-Anbindung nutzen, empfiehlt sich eine Dual-SIM-Karte, wie sie verschiedene Mobilfunkbetreiber anbieten. Neben der Verwendung des Moduls ist die Kopplung mit einem Smartphone per Bluetooth via „SIM Access Profile“ gewährleistet. Für Fans von Apple-Geräten und einigen Android-Mobiltelefonen besteht der Nachtteil, das derzeit nicht alle Devices diesen Übertragungsmodus unterstützen.

Wie bei BMW und Mercedes-Benz bietet Connect die Möglichkeit, das Auto als WLAN-Hotspot zu verwenden. Audi zufolge funktioniert die Konfiguration einfach: Das System findet automatisch den MobilfunkProvider. Einzustellen ist lediglich, ob die Datenverbindung automatisch oder auf Nachfrage erfolgen soll. Je nach Mobilfunknetz und verfügbarer Datenrate ergeben sich hierbei Unterschiede bei der Datenübertragung. Nutzen mehrere Personen das WLAN, verringert sich der Datendurchsatz.

Neben der WLAN-Konnektivität umfasst das Angebot momentan sechs Funktionen. So verspricht Audi mit „Music Stream“ den weltweiten Empfang von Internet-Radiosendern – ein Beispiel für den hohen Stellenwert der weltweiten Vernetzung in der Konzernstrategie von Audi. Musiksender lassen sich ansonsten nach Musikrichtung oder Freitextsuche auswählen. Zusätzlich ist das Abspielen der auf dem Smartphone gespeicherten MP3s über Connect möglich.

Atos baut „Smart Mobility“

Der IT-Dienstleister Atos hat das Thema „Connected Vehicle“ zu einem strategischen Wachstumsfeld erklärt und arbeitet mit zahlreichen OEMs zusammen (unter anderem BMW, Daimler, Renault, Volks wagen). Kern dieser Ausrichtung sind Mobilitätslösungen für den gesamten Automarkt („Smart Mobility“) und Software für Telematiksysteme. Das Unternehmen entwickelt hierbei beispielsweise das Frontend, App Stores sowie Content-Management- und Infotainment-Systeme. Die angebotenen Lösungen sollen laut Atos Multi-Plattform- und Multi-Prozessor-kompatibel sein. Der Dienstleister bleibt mit seinem Service allerdings im Hintergrund („white labeling“).

Staus umgehen per Crowdsourcing

Wer Staus umgehen möchte, kann auf Verkehrsdaten zugreifen und Informationen über Stauentstehung sowie einzelne Straßenabschnitte abrufen. Audi-Partner Inrix, ein Anbieter für Live-Staumeldungen, liefert hierfür die Informationen. Die App „Inrix XD Traffic“ sammelt im Gegensatz zu herkömmlichen Systemen die Staudaten per Crowdsourcing über Mobiltelefone. Während der Fahrt sendet das Handy oder UMTS-Modul anonymisierte Ortsdaten an ein zentrales System. Die gesammelten Informationen bleiben aktuell, und der Nutzer wird in Echtzeit mit neuen Verkehrsdaten versorgt.

Audi bietet mit seinem Telematiksystem grundsätzlich zwei Navigationsarten an. Zum einen existiert mit „myAudi“ ein personalisierter Service für registrierte Kunden. Auf diese Weise kann man die Reise bereits auf dem heimischen Rechner planen und über das Autotelefon an das MMI-Navigationssystem schicken. Daneben kann der Fahrer die Route mit Hilfe von Google Maps errechnen. Da Audi die Nutzung der Internet-basierten Anwendungen während der Fahrt erlaubt, ist etwa die Google-Suche im Browser auch unterwegs möglich.

Die Anlage lässt sich neben der Sprachsteuerung über ein berührungssensitives Eingabefeld bedienen („MMI touch“), welches das Handling eines Smartphones imitiert. So kann der Fahrer etwa Buchstaben für Notizen oder Telefonnummern per Finger auf das Eingabefeld malen.

Navigation in 3D

Ein Schmankerl ist die Navigation mit Google-Earth-Bildern sowie Street View. Die Bilder werden bei dieser Variante als dreidimensionale Stadt- und Landschaftsansicht dargestellt. Wer während der Fahrt ein Museum oder Restaurant sucht, kann einen Point of Interest via Sprachbedienung ausfindig machen („City Events“). Ein weiterer Dienst zeigt Wetterprognosen an, die mit der Suche nach alternativen Reisezielen kombinierbar sind. Regnet es auf der Fahrt zu einem Ort, helfen Wikipedia-Einträge, ein alternatives Ziel zu suchen.

Schließlich bietet das System eine Nachrichtenfunktion, bei der eine Überschrift mit kurzem Teaser-Text wie in einem Nachrichtenticker angezeigt wird. Der Inhalt stammt von verschiedenen Nachrichtenportalen, die der Fahrer länderspezifisch eingrenzen kann. Für Social-Media-Freunde bietet etwa der A3 die Community-Dienste Facebook und Twitter an. Vorgefertigte Textbausteine für Facebook lassen sich in der Anwendung mit aktuellen Ortsdaten kombinieren. Der Fahrer kann seinen Freunden mitteilen, wo er sich aufhält. Wird die Funktion von einem Bekannten verwendet, navigiert Connect den Nutzer zur aktuellen Position des Bekannten.

BMW bietet mehr Applikationen

BMW verfolgt in Sachen Mobilfunkanbindung ähnlich wie Audi zwei Varianten, ist bei der Vielfalt an Applikationen aber ein Stück weiter. Die Münchner haben überdies bereits einige Pioniererfahrung mit Telematiksystemen sammeln können. Zum einen kann BMWs ConnctedDrive mit einem Smartphone per USB oder Bluetooth verbunden werden. Bei der applikationsbasierten Integration des Smartphones laufen die Anwendungen ausschließlich über das Mobiltelefon und werden mit dem Bedien- system „iDrive“ bedient. Zudem können BMW-Fahrer Browser-basierte Apps direkt auf das System installieren. Die SIM-Karte hierfür ist im System verbaut.

In beiden Fällen laufen die Anwendungen über das Backend von „BMW Online“. Größter Nachteil der zweiten Variante ist, dass der Datendurchsatz auf EDGE-Niveau beschränkt ist. Anders als bei Audi ist die Bedienung von Internet-Funktionen nur im stehenden Fahrzeug erlaubt.

Deutsche Telekom bringt die Cloud ins Spiel

Der Telco-Anbieter ist im Automotive-Bereich als Dienstleister unterwegs und bietet in erster Linie Infrastruktur, Backend-Lösungen sowie Software an. Das Repertoire deckt alle Schnittstellen und Protokolle ab, die auf dem Markt verfügbar sind (GSM/GPRS/EDGE sowie UMTS/HSPA/HSPA+). Die Datenübertragung bei der Telekom erfolgt verschlüsselt, wobei Verfahren wie https, TLS und Mobile VPN mit RSA zum Einsatz kommen. Server-seitig setzt die Deutsche Telekom vermehrt auf Cloud-Ansätze. Im Anwendungsbereich gehören fahrer- und beifahrerbezogene Dienste zum Portfolio (zum Beispiel Verkehrsservice und Auskunftsdienste). Ein eigenes Konzerngeschäftsfeld („Connected Car“), das es seit September 2010 gibt, wendet sich mit seinen Lösungen an OEMs, Flottenbetreiber, Logistiker und Mobilitäts-Provider.

ConnectedDrive in drei Bereichen

BMW gliedert ConnectedDrive in drei Bereiche: Komfort, Sicherheit und Infotainment. Unter Komfort versteht der Autobauer beispielsweise den Empfang von Verkehrsdaten. Im Bereich Sicherheit bieten die Münchner Notruffunktionen an. Die Infotainment-Anwendungen sind schließlich das Steckenpferd des Autobauers, da sich hierunter Applikationen und Office-Anwendungen verbergen. Das System ist für alle Modelle von BMW verfügbar, allerdings beinhaltet dies nicht die komplette Palette an Leistungen. So ist das Headup-Display beispielsweise nicht für Fahrzeuge der 1er-beziehungsweise nur für drei Modelle der 3er-Serie verfügbar.

Mittlerweile bietet ConnectedDrive eine stattliche Zahl von Funktionen. Die Handhabung der einzelnen Apps ist mit einem Smartphone vergleichbar: Über ein Anwendungsmenü lassen sich die verfügbaren Programme hinzufügen. Hierbei ist der Funktionsumfang individuell erweiterbar, wobei nur von BMW zertifizierte Apps erhältlich sind. Um eine große Auswahl an Programmen anbieten zu können, betreibt der Autobauer mittlerweile drei Entwicklungszentren in München, Mountain View und Shanghai.

Notruf und Fernsteuerung

Zwei Beispiele zeigen, wie ernst es BMW mit der Vernetzung der Autos ist. Die Funktion „Assist“ enthält neben einem Auskunftsdienst etwa über Sonderziele auch einen erweiterten Notruf. Hintergrund ist „eCall“, eine EU-Initiative, die ab 2015 ein Notrufsystem für alle neu zugelassenen Autos verpflichtend vorschreibt. So bietet Assist im Notfall einen automatischen oder manuellen Notruf, bei dem das System die GPS-Daten der aktuellen Position übermittelt. Voraussetzung ist, dass eine Verbindung zum Netzbetreiber besteht. Ist sich ein Autofahrer unsicher, ob er seinen Wagen abgeschlossen hat, kann er ihn mit Assist über das „BMW Callcenter“ orten und per Fernzugriff verriegeln lassen. Diese Funktion ist zudem mit der App „My BMW Remote“ verfügbar. So kann man sein Fahrzeug über das Internet auf- und zuschließen, in einem Umkreis von 1500 Metern orten oder die Hupe betätigen.

Zusätzliche Ausstattung

Um in den Genuss von Assist zu kommen, muss der Fahrzeughalter zusätzlich BMW Online erwerben. Hierfür ist die Anschaffung des Navigationssystems obligatorisch, welches für 3800 Euro erhältlich ist. Die Applikationen kosten in der Anschaffung 150 Euro und sind drei Jahre kostenlos. Danach muss der Nutzer mit einem Preis von 175 Euro pro Jahr kalkulieren. Für den Internet-Zugang mit zusätzlicher SIM-Karte sind 150 Euro pro Jahr einzurechnen.

Der Münchner Konzern setzt bei der Einbindung von Apps zwar in erster Linie auf eigene Entwicklungen, lässt aber auch Programme von Drittanbietern zu. In den USA ist man bei dem Thema schon weiter. Ein Beispiel ist die Partnerschaft zwischen dem US-amerikanischen Web-Radio-Dienst „Pandora“ und der BMW-Tochter Mini, die seit April 2011 auch für die restliche BMW-Flotte gilt. Voraussetzung ist die Ausstattung mit dem Service „BMW Apps“ und eine Bluetooth-Anbindung. Der Kunde lädt die App auf sein iPhone, verbindet das Smartphone mit dem Infotainment-System des Fahrzeugs und nutzt das Programm auf dem iDrive-Controller.

Capgemini entwickelt Apps

Das Beratungs- und IT-Dienstleistungshaus Capgemini setzt ähnlich wie Atos auch auf das Thema „Vehicle Telematics“. Dabei möchte das Unternehmen den kompletten Lebenszyklus der Systeme abdecken, wozu Business Information, Tests, Business-Process-Management und mobile Lösungen gehören. Eine weitere Gemeinsamkeit von Capgemini und Atos besteht in der angestrebten Kompatibilität der Systeme, die je nach Hersteller individuell anpassbar sein sollen. Der französische Dienstleister bietet Backend-Systeme an, die sich beispielsweise mit Sicherheits- und Serviceanwendungen, dem CRM-System der OEMs und fahrerbezogenen Apps verbinden lassen. Hierzu gehört auch die Entwicklung individueller Applikationen für die Hersteller.

Fahrtraining per App

Mini ist bei der Integration von Apps Vorreiter in der BMW Group, wobei das Angebot in erster Linie Consumer-orientiert ist. Die speziell entwickelte iPhone-App „Mini connect“ ermöglicht das Anschließen des Mobiltelefons per USB und bietet aktuell bis zu zehn Funktionen. Nachdem das System gestartet wurde, verrät das System etwa Tankfüll- und Kilometerstand. Wirklich spannend wird es beim Zusatzangebot. Mit der Erweiterung „Minimalism Analyser“ kann der Nutzer etwa seinen Fahrstil trainieren. Die App wertet aus, wie man beschleunigt, bremst und schaltet. Das Programm vergibt Punkte für die einzelnen Fahrmanöver, die in einem Ranking mit anderen Mini-Fahrern verglichen werden.

Ansonsten präsentiert sich das App-Angebot in ähnlicher Form wie bei den Konkurrenten Audi und Mercedes-Benz. Das Programm „Google Local Search“ findet Sonderziele wie Apotheken, Restaurants oder Theater. Ansonsten reicht der Funktionsumfang von Hörbuchdiensten über virtuelle Reiseführer bis zur Einbindung von sozialen Netzwerken wie Facebook, Twitter oder Foursquare.

Vorlesefunktion für E-Mail und SMS

Der Entwicklungszeitraum einzelner Anwendungen beträgt nach Angabe von BMW je nach Angebot zwischen zwei und zwölf Monaten. Im Vordergrund stehen für die Münchner vor allem vier Bereiche: Social-Media-Apps, Infotainment, fahrzeugbezogene sowie ortsbezogene Funktionen.

Bei der Einbindung von Office-Anwendungen ist BMW der erste Hersteller, der das Empfangen von E-Mail-Nachrichten via Bluetooth eingerichtet hat. Die E-Mail wird dabei auf dem Bedienelement iDrive angezeigt und mit Hilfe der Sprachausgabe vorgelesen. Ähnlich funktioniert der Empfang von SMS. Schließlich regelt „BMW TeleServices“ Wartungstermine. Das Fahrzeug sendet selbständig eine Nachricht an den BMW-Service-Partner, der den Halter im Anschluss kontaktiert.

Cisco regelt Datenverkehr

Der Schwerpunkt von Cisco liegt beim Datenverkehr zwischen Auto und IT-Infrastruktur (Car-to-Infrastructure), wofür die eigene Plattform IOS (Internet Operating System) zum Einsatz kommt. Ein Angebot, das auch im Auto Verwendung finden soll, ist Cisco WebEx. Damit sind Videoanrufe und -konferenzen theoretisch auch während der Fahrt möglich. Da die Technik plattformunabhängig läuft, ist die Integration mit Telematiksystemen denkbar. Mit dem Projekt „Smart Connected Vehicle“ zielt das Unternehmen zudem auf die Vernetzung zwischen den Autos ab (Car-to-Car). Die Cloud-basierte Lösung erlaubt den Zugriff auf das Telematiksystem eines Autos und zeigt einzelne Daten des Fahrzeugs an (etwa zu Bremsflüssigkeit, Öl- und Benzinstand).

Daimler setzt auf Fahrer-Handy

In der Vergangenheit galt Mercedes-Benz als Nachzügler bei Telematiksystemen. Einen großen Schritt vorwärts hat der Daimler-Konzern mit Comand Online gewagt. Anders als Audi und BMW setzen die Stuttgarter ausschließlich auf das Mobiltelefon des Kunden, um das Fahrzeug mit dem Internet zu verbinden. Dabei dient das Smartphone als Modem, wobei es sich per Bluetooth mittels DUN-Profil (Dial-Up Networking Profile) mit dem Internet verbindet. Kunden mit iPhone und verschiedenen Android-Telefonen geraten dabei in die unangenehme Lage, dass sie sich zwar per Bluetooth mit dem System verbinden, aber lediglich über die Freisprechanlage telefonieren sowie ihre Musik wiedergeben können.

Die Nutzung von Internet-basierten Apps bleibt ihnen verwehrt. Eine Ausnahme ist die neue A-Klasse, bei der sich das Smartphone von Apple integrieren lässt. Wie bei den anderen Automobilherstellern, laufen Internet und verfügbare Anwendungen über die Infrastruktur der OEMs, in diesem Fall das „Daimler Vehicle Backend“. Ist das System mit dem Smartphone verbunden, werden die Daten an das Rechenzentrum der Stuttgarter übertragen. Alle Verbindungen zum Backend erfolgen über einen gesicherten VPN-Kanal.

Im Gegensatz zu den Systemen von Audi und BMW hat Comand Online den kleinen Vorteil, dass Kunden keinen zusätzlichen Mobilfunkvertrag oder eine Dual-SIM-Karte benötigen. Das Surfen im Internet wird über Mobiltelefone mit DUN-Profile abgedeckt. Bei der Anschaffung müssen Kunden im Vergleich zur Konkurrenz nicht ganz so tief in die Tasche greifen: Das Komplettsystem kos-tet 3070 Euro. Dafür verzichtet man allerdings auf die Vorzüge eines Touch-Bedienfelds, wie es bei Audi zum Einsatz kommt. Die Steuerung erfolgt über einen Joystick-ähnlichen Controller. Etwas bequemer ist da schon die Sprachsteuerung „Linguatronic“, mit der sich verschiedene Funktionen von Comand Online steuern lassen. Wie bei BMW ist das freie Surfen im Internet allein im stehenden Fahrzeug möglich. Ausnahme ist etwa die eingeschränkte Nutzung der Google-App, die den Kunden auch beim Fahren zu einem Point of Interest lotst.

Keine Vorlesefunktion im Benz

Zum Systemumfang gehören eine Festplattennavigation sowie drei Jahre kostenfreie Karten-Updates, eine Bluetooth-Freisprech-einrichtung samt Audiostreaming, ein SD-Slot, USB- beziehungsweise iPod-Schnittstellen und Sprachsteuerung. Der verbaute Speicher bietet für 10 Gigabyte Daten Platz. Der Anwendungskatalog orientiert sich an gängigen Lösungen.

Der Fahrer kann unter anderem bei Google nach Sonderzielen entlang einer Route suchen, Wetterinforma-tionen abrufen und seine Freundschaften auf Facebook pflegen. Dafür fällt die Auswahl der restlichen Funktionen überschaubar aus. Das fängt bei der fehlenden Vorlesefunktion für E-Mails und SMS an und endet bei der bescheidenen Zahl von Applikationen.

Fazit

Wie die drei vorgestellten Beispiele zeigen, ist der Markt für Telematiksysteme in Bewegung. Internet-Anbindung, neue Navigationsangebote und soziale Netzwerke ziehen in die Autos ein und bringen den digitalen Lebensstil auf die Straße. Trotz aller Versprechen der Anbieter gibt es aber noch Schwachstellen. So haben es die Hersteller bisher versäumt, ihre Autos für Business-Szenarien zu konfigurieren. Anwendungen, die etwa die Abrechnung von Dienstfahrten übernehmen, oder zusätzliche Office-Applikationen sucht man meist vergeblich. Da die teuren Systeme in erster Linie für betuchte Business-Kunden gedacht sind, eine fragwürdige Modellpolitik.

Trotz der noch vorhandenen Mängel werden die Systeme mittelfristig die Fahrgewohnheiten und das Verhältnis des Fahrers zum Auto verändern. Es bleibt spannend, welche neuen Apps in das Auto der Zukunft einziehen werden.

Der Artikel wurde am 31. August 2012 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.