Das Jahr 2013 setzt fort, was 2012 begonnen wurde. Mit einem Unterschied: Die Transformation der klassischen IT in eine Welt, in der die großen Trends Mobile, Cloud Computing, Social Web und Big Data dominierend werden, nimmt noch einmal Fahrt auf. Die IDC-Analysten sprechen von der 3rd Platform. In eine ähnliche Richtung geht Gartners Nexus of Forces.

Nach Angaben von IDC steigen die weltweiten IT-Ausgaben auf 2,1 Billionen Dollar, was einem Plus von 5,7 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht. In den nächsten sieben Jahren sollen 90 Prozent des Wachstums durch Technologien der 3rd Platform erwirtschaftet werden. Gleichzeitig steigern die aufstrebenden Länder in Osteuropa, Asien, Lateinamerika und Afrika ihren IT-Bedarf: Insgesamt geben sie mit 730 Milliarden Dollar fast neun Prozent mehr aus als 2012.

Impulse im Mobile-Geschäft

Bewahrheiten sich die Prognosen, dürfte 2013 zu einem guten Jahr für die IT-Wirtschaft werden. So glaubt IDC, dass allein 65 Milliarden Dollar in Industrielösungen investiert werden, die sich auf die vier Kerntrends beziehen. „Die größte Dynamik liegt in Bereichen wie öffentliche Sicherheit, Vermarktungsanalysen oder Smart-City-Konzepten“, meint Frank Gens, Senior Vice President und Chief Analyst bei IDC.

Viel Geld wird auch mit „Showrooming“ umgesetzt. Allein in den USA wickelten rund 50 Millionen Bürger ihre Weihnachtseinkäufe 2012 am Smartphone oder Tablet ab. Der Umsatz hat sich innerhalb eines Jahres von 20 Millionen auf fast zwei Milliarden Dollar katapultiert. Als Reaktion wird der Online-Handel 2013 seine Websites für Smartphones optimieren, neue Apps anbieten und Preisvergleiche per QR-Code einsetzen, prophezeien die Analysten.

Mobilgeräte geben also dem IT-Markt neue Impulse. Smartphones, Tablets und E-Book-Reader sollen allein ein Fünftel der gesamten IT-Ausgaben auf sich vereinen. Ohne deren Verkauf würde das gesamte Wachstum lediglich bei 2,9 Prozent liegen. „Mobilgeräte sind für Anwender künftig erste Wahl, um das Internet zu nutzen“, sagt Gens. Dabei sinke die Zahl der Nutzer, die mit Notebooks oder PCs im Internet surfen, in den USA von derzeit 240 Millionen bis zum Jahr 2016 auf 225 Millionen. Gleichzeitig steige die Menge der mobilen Anwender auf 265 Millionen. „Im Jahr 2015 werden mehr Konsumenten in den USA das Internet über Mobilgeräte nutzen als mit einem PC“, prognostiziert der Analyst.

Kampf der Betriebssysteme

Die Marktforscher von Gartner wagen sich noch ein Stück weiter vor. Sie sehen das Rennen bereits entschieden. „Mobiltelefone werden 2013 den PC als das am häufigsten verwendete Gerät für den Internet-Zugang ablösen“, ist David Cearley, Senior Vice President bei Gartner, überzeugt. Gleichzeitig erwartet der Analyst einen verschärften Wettstreit um Marktanteile: „Nur 20 Prozent dieser Geräte werden Windows Phones sein.“ Für Microsoft setze ein dramatischer Abstieg ein, da der PC-Markt an Boden verliere und mittelfristig der Anteil von Endgeräten mit einem Windows-Betriebssystem nur noch bei 60 Prozent liegen werde. „Windows wird in der Nach-PC-Ära nur eine Plattform unter vielen sein“, kommentiert Cearley.

Im gleichen Atemzug ist er sich aber sicher, dass Windows 8 einen substanziellen Zuwachs bei Mobilgeräten verzeichnen wird. Unternehmen setzen demnach in den nächsten zwei Jahren stärker auf Geräte mit der Microsoft-Plattform, Konsumenten dagegen weniger. Cearley empfiehlt Entwicklern, 2013 stärker den Applikationsmarkt für Windows 8 ins Auge zu fassen. Auch Apple werde kämpfen müssen. Speziell im Tablet-Segment werde die Dominanz schwinden, während die günstigeren Android-Devices Rückenwind bekämen.

Die Marktforscher von Gartner gehen davon aus, dass Android 2013 und darüber hinaus die Plattform Nummer eins bleibt. Apple verteidigt seinen zweiten Platz. Da Anbieter wie zum Beispiel Nokia auf Windows 8 setzen, werde sich das Betriebssystem auf den dritten Rang vorarbeiten und RIM bereits in diesem Jahr verdrängen.

Eine weitere Dynamik sehen die Marktforscher in der Entwicklung von Mini-Tablets. Apples iPad Mini oder Googles Nexus 7 sollen ihren Marktanteil drastisch ausbauen. Insgesamt wachse der Tablet-Markt 2013 um 42 Prozent. Hiervon sollen fast zwei Drittel Mini-Tablets sein. Gleichzeitig sind sich die Analysten sicher, dass Tablets in den Schulen ankommen werden. „Dieses Jahr laufen Pilotprojekte an, die Lernen im Internet zum Ziel haben“, so IDC-Analyst Gens.

Die allgegenwärtige Cloud

In den letzten eineinhalb Jahren haben Unternehmen wie Oracle, SAP und IBM Anbieter von Software-as-a-Service-(SaaS-)Lösungen zugekauft. Allein in den letzten Monaten gaben diese und andere IT-Konzerne rund 17 Milliarden Dollar dafür aus. Die Konsolidierung im SaaS-Markt wird sich noch einmal beschleunigen. Die Analysten erwarten in den nächsten 20 Monaten Akquisitionen im Wert von über 25 Milliarden Dollar. „Cloud-Services sind ins Zentrum der IT gerutscht. Für Technologie-Unternehmen ist es überlebenswichtig, Cloud-DNA in ihre Organisationen zu bekommen“, glaubt Gens.

Im Visier der großen Softwarekonzerne stehen Private- und Public-Cloud-Anbieter im Bereich SaaS, welche 2012 einen Umsatz von mindestens 25 Millionen Dollar hatten. Zur Zielscheibe könnten Firmen wie Cegedim, Intralinks oder Servicenow werden. Gleichzeitig werde der SaaS-Markt weiter kräftig wachsen. IDC erwartet einen Wettkampf um Marktanteile in allen SaaS-Bereichen, wozu unter anderem CRM-, Collaboration- und HR-Applikationen gehören. Das Thema Cloud Computing betrifft aber nicht nur das Business. „Der Trend läutet das Ende der PC-Ära und den Beginn des Personal-Cloud-Zeitalters ein“, so Gartner-Analyst Cearley. Immer mehr Internet-Nutzer werden persönliche Daten in einer virtuellen Umgebung speichern.

Ein Trend, der Sicherheitsprobleme zunehmen lassen dürfte. „Die Kosten durch Angriffe auf die Cloud werden 2013 steigen“, warnt das Information Security Forum (ISF) in seinen Prognosen zu den fünf größten Sicherheitsrisiken.

Der „digitale Lebensstil“ beinhaltet laut Gartner eine Kombination aus Services und der virtuellen Verbindung zwischen Anwendern. Diese erwarten eine benutzerfreundliche Oberfläche, die sich auf jedem Endgerät nutzen lässt. „In der Cloud-Ära nutzen Anwender verschiedene Mobilgeräte und Plattformen, wobei die IT nicht immer Standards einhalten kann“, erläutert Cearley.

Dass sich das Wachstum bei den Programmen für Mobilgeräte verlangsamt, ist unwahrscheinlich. Forrester erwartet ein Anschwellen der Menge verfügbarer Apps um bis zu 85 Prozent. Die Marktforscher gehen davon aus, dass 2014 die Download-Schwelle von 80 Milliarden Apps per annum überschritten werden wird. Auch auf den Enterprise-Markt rollt eine riesige Welle von Applikationen zu. Viele Unternehmen sind dabei, App Stores für ihre Mitarbeiter einzurichten. Die meisten großen IT-Konzerne betreiben bereits eigene App Stores oder werden in Kürze an den Start gehen. „Unternehmen sind einer komplexen App-Zukunft ausgesetzt, wobei einige Anbieter ihre Marktplätze auf bestimmte Endgeräte beschränken“, prognostiziert Gartner.

Horizontale Plattformen

Neben dem Anstieg von SaaS-Angeboten erwartet IDC auch regen Betrieb am Markt für Platform as a Service (PaaS). Der Bereich werde sich 2013 stärker branchenspezifisch ausprägen und in den kommenden drei Jahren auf das Zehnfache wachsen. So werde es eigene Plattformen für die Finanzwirtschaft, das Gesundheitswesen oder die Energiewirtschaft geben. „Wir sehen 2013 eine strategische Verlagerung bei den PaaS-Angeboten“, meint Gens. Am Ende werde sich herauskristallisieren, welche Plattformen einen echten Mehrwert böten und welche Anbieter eine Schlüsselrolle übernehmen könnten.

Ein Ergebnis dieser Entwicklung ist die zunehmende Standardisierung horizontaler PaaS-Angebote. Anbieter wie Salesforce (Force.com), Microsoft (Azure), Amazon (AWS) und IBM (SmartCloud Application) werden einheitliche Standards entwickeln, um eine möglichst große Bandbreite an Entwicklungen abzudecken.

Grundsätzlich werden Unternehmen dieses Jahr auf eine gemischte Infrastruktur vertrauen. „Organisationen mit einem hohen Reifegrad setzen auf externe und interne Cloud- und Server-basierende Komponenten“, sagt Wolfgang Schwab, Manager Advisor & Program Manager Efficient Infrastructure bei Experton. Großunternehmen nutzten 2013 zu 90 Prozent eine virtualisierte Infrastruktur. Allerdings bleibt nach Angaben des Analysten die Private Cloud erste Wahl. Der Durchbruch für hybride Clouds lässt aufgrund technischer Einschränkungen sowie Sicherheitsbedenken noch auf sich warten.

Data Center im Wandel

Die beschriebenen Veränderungen lassen die Datenbestände anschwellen. Mobile- und Cloud Computing sowie das Social Enterprise verändern auch die Orte, an denen Informationen abgelegt werden. Konvergierende Systeme, die Server, Speicher und Netz mit einem Management-Tool kombinieren, werden 2013 bedeutender werden. IDC erwartet einen Anstieg von 54 Prozent für das Geschäft mit solchen Komplettangeboten. Bis 2016 sollen sie rund ein Drittel aller Neuinstallationen ausmachen.

Daneben soll Software Defined Networking (SDN) 2013 den Durchbruch schaffen. „Es wird das erste Jahr, in dem virtualisierte Netzwerke und SDN-Applikationen voll zum Tragen kommen“, prophezeit Gens. IDC erwartet ein exponentielles Wachstum bis zum Jahr 2016 auf 3,7 Milliarden Dollar, was einem Anteil von 35 Prozent am Ethernet-Markt entspricht. Anbieter wie Cisco, HP, Dell und IBM müssten ihre Einkaufstour in diesem Marktsegment über 2013 hinaus fortsetzen.

In Bezug auf SDN warnt Andre Kindness, Principal Analyst bei Forrester, allerdings vor Schnellschüssen: „Eine SDN-Investition ist kostspielig. Die Standardisierung von Prozessen und Infrastruktur sowie die Anpassung der Organisationsstruktur erfordert Zeit und Geld.“ Firmen sollten SDN erst einmal auf Sparflamme halten und die IT-Abteilung mit der Nutzung der softwarebasierenden Netzwerke vertraut machen.

Bring your own ID

Ein neuer Trend könnte sich im Identity-Management herausschälen. Mehr Unternehmen werden nach Angaben der Marktforscher Systeme von Facebook, Google und Microsoft verwenden. Unter dem neuen Schlagwort „Bring your own ID“ sieht IDC die Systeme der sozialen Netzwerke als Fundament für künftige Sicherheitskonzepte in Unternehmen an. Die Consumerization der IT macht an dieser Stelle nicht halt. Wie die Analysten glauben, werden 2013 viele Firmen Technologien aus der Konsumentensparte in ihr Portfolio übernehmen. „Dies bedeutet allerdings weniger das Kopieren von Werkzeugen als vielmehr die Akquisition sowie Integration von bestehenden Angeboten“, beschreibt Gens den Trend. Ein Beispiel ist Dropbox. Gens prognostiziert den Kauf des Cloud-Anbieters durch einen großen Player: „Damit kann der Käufer eine enorme Konsumentenzahl und Technologien in sein Portfolio aufnehmen.“

Um die Datenmengen zu beherrschen, werden Service-Provider in den nächsten drei Jahren einen wachsenden Anteil ihrer Investitionen in Speicher und Rechenzentren stecken. So sind größere Provider für fast zwei Drittel aller Infrastrukturkäufe verantwortlich. Der große Gewinner dieser Entwicklung ist Amazon, dessen Dominanz inzwischen weit über die amerikanische Internet-Startup-Szene hinausgeht.

Das digitale Universum

Das Thema Big Data bleibt ein Dauerbrenner. So soll das digitale Universum, wie es IDC nennt, dieses Jahr um 50 Prozent wachsen. In der Gesamtmenge erreicht das weltweite Datenaufkommen 2013 vier Zettabyte. Würde man diese Informationsdichte umrechnen, dann müsste jeder Mensch über 350 Zeitungen pro Tag lesen. Um diese Daten zu kontrollieren, müssen Anbieter und Anwender weiter investieren. Die Analysten prognostizieren dieses Jahr Ausgaben von zehn Milliarden Dollar für Big-Data-Technologien.

Das bezieht sich nicht nur auf Hardware, sondern auch auf neue Analysewerkzeuge. „IBM, SAP und Oracle sind überaus aktiv in diesem Bereich. Neue Analytics-Tools werden über Suchfunktionen hinausgehen und grafische Oberflächen für das Finden versteckter Beziehungen bieten“, sagt IDC-Analyst Gens. Hierzu gehört ein ganzes Arsenal an Applikationen in den Bereichen Predictive Analytics, Text- und Medienanalyse sowie visuelle Tools.

Für die Marktforscher von Gartner ergeben sich hieraus vier Schlussfolgerungen. Zum einen werden die weltweit 1000 größten Unternehmen eine kleine Armee von Informationsexperten einstellen, um anhand intelligent kombinierter und verdichteter Daten Wachstum zu erreichen. „Bis 2015 steigen die Anforderungen an Big-Data-Services auf 132 Milliarden Dollar an“, rechnet Daryl Plummer, Managing Vice President bei Gartner, vor. Um den Bedarf zu decken, müssten in den nächsten drei Jahren 550.000 Jobs bei Dienstleistern entstehen. „Das Problem ist, dass lediglich ein Drittel dieser Stellen besetzt werden kann“, zeigt sich Plummer skeptisch. „Die Unternehmen sind heute bereit, mehr für die Analyse ihrer Daten zu bezahlen, solange sich die Vorteile schnell einstellen“, ergänzt Marktforscher Cearley. Hierbei spielt auch die Auswertung sozialer Netze eine Rolle. Im Zentrum steht das Konsumverhalten der Anwender.

Wie im privaten so lautet daher auch im geschäftlichen Umfeld für 2013 die Devise: Social everything. Wie mit Cloud Computing werden sich IT-Unternehmen auch mit der Social-Idee beschäftigen und erfolgreiche Anbieter von sozialen Anwendungen übernehmen. Den Analysten zufolge werden vor allem Microsoft, Oracle und Salesforce.com nach interessanten Firmen Ausschau halten, um beispielsweise ihr CRM-Portfolio mit sozialen Funktionen zu erweitern. Sie reagieren damit auf die Wünsche ihrer Kunden, von denen viele bereits das Ende des Experimentierstadiums erreicht haben. Sie möchten, getrieben von ihren Facebook-gewohnten Mitarbeitern, unternehmensweite Social Networks in die vorhandene IT-Landschaft einbetten.

Kommunikation zwischen Dingen

Eng mit den Themen Big Data und Social Web verbunden, kommen neue Technologien im Bereich Internet der Dinge auf. Ein Hauptgrund für diese Annahme ist aus Sicht der Gartner-Analysten die zu erwartende Wertschöpfung. „Computerchips sind in vielen Gegenständen wie Medikamentenverpackungen oder Autos verbaut“, so Cearley. Diese können mit dem Smartphone und anderen intelligenten Mobilgeräten kommunizieren. „Bereits heute besteht über die Hälfte der Internet-Verbindungen zwischen Gegenständen. Bis 2020 erwarten wir einen Sprung auf 30 Milliarden Geräte, die permanent mit dem Internet verbunden sind“, prophezeit der Marktforscher.

Dieses Jahr könnte sich außerdem eine technische Entwicklung ihren Weg in die Konsum- und Geschäftswelt bahnen, die über die vier Trends hinausgeht: Sprachsteuerung. So bringt Intel im Lauf des Jahres 14 neue „Haswell“-Prozessoren heraus. „Die neue Mikroarchitektur bildet die Basis für sicht- und spürbare Innovationen. Sprachsteuerung wird eine maßgebliche Rolle spielen“, wirbt Christian Lamprecht, Intels Geschäftsführer und Country Manager für Deutschland und Österreich.

Der Artikel wurde am 02. Januar 2013 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.