Wer kennt nicht diese Situation? Der regelmäßige Besuch beim Zahn- oder Hausarzt steht bevor, und ein schneller Termin muss her. Also fix anrufen und sich für morgen einschreiben lassen. Doch dann kommt die Überraschung, denn das Sprechstundenpersonal klärt einen darüber auf, dass nur im Notfall ein unmittelbarer Termin möglich ist. Für weniger dringliche Fälle wäre aber in zwei Wochen noch etwas frei. Ernüchtert fragt sich der Patient: Warum geht das nicht mit weniger Aufwand?

Abhilfe schaffen wollten Julian Faupel und Erik Reisig vom Münchner Startup Medable. Sie schnürrten ein Lösungspaket zur unkomplizierten Terminvereinbarung und Praxisgebührenabrechnung. „Die technischen Möglichkeiten dafür sind längst vorhanden“, wundert sich Erik Reisig, CTO bei der Münchner Firma. „Es gab bisher nur keine speziell auf den Bedarf von niedergelassenen Ärzten zugeschnittene Lösung.“

Termine per Cloud Computing

Der Traum vom eigenen Unternehmen geisterte schon während des Studiums durch Reisigs Kopf. Einen Partner dafür fand er schließlich in Faupel. Beide arbeiteten während ihrer Ausbildung für die studentische Unternehmensberatung Academy Consult. Die Erfahrung aus Projekt-Management und Consulting half bei der Gründung des eigenen Startups.

Für beide Gründer stand von Anfang an fest, dass sie Lösungen auf Basis moderner Softwaretechnologien entwerfen wollten. Ihre Anwendungen entwickeln sie ausschließlich innerhalb von Cloud-Systemen und als Software as a Service (SaaS) – so auch die Programme zur Verwaltung von Arztterminen.

Der Arzt muss weder eine Lizenzgebühr bezahlen, noch muss er sich um die Installation oder Updates kümmern. Die Anwendungen werden in einem Rechenzentrum gehostet und über eine monatliche Mietgebühr abgerechnet.

Als Teilnehmer des BizSpark-Programms standen die Existenzgründer bereits zu Beginn ihres Projekts in Kontakt mit Microsoft. Mit BizSpark fördert der Konzern Startups und Entrepreneure aus der Technologie-Branche. „Wir stellen jungen Unternehmern und Existenzgründern Tools sowie Anwendungen zur Verfügung und sorgen für den entsprechenden Know-how-Transfer“, beschreibt Projektleiter Stephan Jacquemot die Idee dahinter.

Das Personal behält die Kontrolle

Die Entwicklung der ersten Anwendungen von MedAble dauerte rund acht Monate. Das Resultat war die Planungssoftware DocPlaner, über die der Patient in der Cloud seinen Termin einschreiben kann, nachdem der Arzt dort freie Sprechzeiten festgelegt hat. Da das System als SaaS konzipiert wurde, ist es rund um die Uhr und auf praktisch jedem Endgerät verfügbar.

„Mit unserer Software lässt sich etwa ein Arzttermin auch per Smartphone-App buchen“, schwärmen die Entwickler. Dabei werden alle Vorgänge in Echtzeit verarbeitet und DocPlaner erzeugt automatisch eine Bestätigungsmail. Auf Wunsch kann sich der Patient per E-Mail oder SMS an die Sprechstunde erinnern lassen. Das Praxispersonal sieht sofort die Buchung und behält durch das Tool die Kontrolle über den Terminkalender.

Zudem haben die beiden Unternehmer einen Website-Baukasten erstellt, mit dem sich das System problemlos in bestehende Seiten einbinden lässt. „Es ist so konzipiert, dass der Arzt nach eigenem Ermessen freie Zeiten zur Verfügung stellt und die Auslastung der Praxis für den Patienten nicht sichtbar wird“, merkt Faupel an. Für Ärzte, die das System testen wollen, haben die Jungunternehmer eine Demoplattform auf der Firmenseite eingerichtet.

„Wir möchten ein Komplettpaket“

Mittlerweile hat sich das Produktportfolio von Medable um einen zusätzlichen Bausteinen erweitert. Ein Gesundheitsterminal soll den Bezahlvorgang in der Arztpraxis vereinfachen. Die Geräte, die einem Geldautomaten ähneln, sind eine komplette Eigenentwicklung und dienen zur Bezahlung der Praxisgebühren und Privatrechnungen.

Für Faupel und Reisig heißt es nun, ein übergreifendes Konzept zu entwickeln und mittelfristig genug Ärzte von ihrem System zu überzeugen. „Wir möchten niedergelassenen Ärzten in zwei bis drei Jahren ein Cloud-Komplettpaket anbieten, das die Praxisorganisation von der Terminverwaltung bis zur Bezahlung von Leistungen vollständig abdeckt.“

Der Artikel wurde am 07. Dezember 2011 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.