Neben Erweiterungen der „Converged Cloud“, den „Virtual Application Networks“ (VAN) und einem Service zum Aufbau einer „Engineering Cloud“ bietet der IT-Konzern ab 10. Mai erstmals Public-Cloud-Dienste an. Dazu zählen HP Cloud Compute, HP Cloud Object Storage und HP Cloud Content Delivery Network (CDN). Das Unternehmen reagiert damit laut eigenen Angaben auf die immer stärkere Differenzierung des Cloud-Marktes und komplettiert sein Portfolio, das bisher Private- und Managed-Cloud-Produkte umfasste.

HP-Kunden bezahlen Gebühr pro Stunden

Der Kunde bezahlt für die Public-Cloud-Dienst eine Nutzungsgebühr pro Stunde, die je nach Ausstattung zwischen 0,04 und 1,28 US Dollar variiert. Hinzu kommen zwei weitere Public-Cloud-Angebote als Private Beta: Ein relationaler Datenbank-Dienst für MySQL sowie ein Service für Blockdaten, der es ermöglicht, Daten von einer Recheninstanz zur nächsten zu verschieben. HP stellt sich damit auch als direkter Konkurrent zum Public-Cloud-Primus Amazon auf.

„Der Cloud-Markt wächst in Deutschland nach Angaben des Bitkom dieses Jahr um 47 Prozent. Dieser Entwicklung möchten wir mit neuen Angeboten Rechnung tragen“, erklärte Volker Smid, Vorsitzender der deutschen Geschäftsführung von HP, bei der Produkt-Präsentation. Zudem wies er die Kritik zurück, die dem Konzern einen verspäteten Markteintritt vorwirft. „Mit der HP CloudSystem Matrix haben wir bereits 2009 auf die Entwicklungen am Markt reagiert“, so der Manager. Vier Herausforderungen möchte sich HP mit seinen Angeboten stellen: Die IT-Landschaften in den Unternehmen seien mittlerweile sehr heterogen, die fehlende Interoperabilität der Systeme erschwere die Zusammenarbeit, Umstiegshürden machten den Wechsel zu einem anderen Cloud-Anbieter praktisch unmöglich und die fehlende Governance behindere die Problemlösung in den Firmen.

Annäherung in der Cloud

Mit der Converged Cloud erweitert HP sein Portfolio für heterogene Umgebungen. Grundlage sind die auf der CeBIT5 vorgestellten „cCell Services“, die eine einheitliche Verwaltung von verschiedenen Cloud-Diensten ermöglichen sollen. Voraussetzung war bisher eine einheitliche HP-Infrastruktur. Mit der Converged Cloud unterstützt das Unternehmen jetzt unterschiedliche Hypervisoren, Betriebssysteme und Entwicklungsumgebungen.

Ein Kernelement von HPs Cloud-Architektur ist OpenStack, eine Open-Source-Software für den Aufbau von Private8- und Public-Cloud-Umgebungen. Das Unternehmen hat die Standard-Dienste von OpenStack erweitert, sodass sie sich einfacher in die IT-Prozesse von Firmen und Verwaltungen einbinden lassen. Das betrifft Application Lifecycle Management (ALM), Continuous Deployment sowie die Verwaltung und Sicherheit von Cloud-Diensten. Alles Erweiterungen, die beim sogenannten Cloud Bursting, also dem temporären Zuschalten von externen Ressourcen bei Kapazitätsengpässen, helfen sollen. Auf der Grundlage von OpenStack abstrahiert der HP Converged Infrastructure as a Service Controller (HP Converged IaaSC) von der physischen IT-Infrastruktur und stellt eine standardisierte Umgebung bereit.

VAN macht Netzwerke programmierbar

Einen großen Schritt zu automatisierten Netzwerken möchte der Anbieter mit VAN machen. Ziel ist es laut HP, programmierbare Netze zu schaffen. Dafür greift VAN auf Templates zurück, in denen anwendungsspezifische Anforderungen definiert sind.

Für VAN liefert HP zunächst neue Funktionen für die Netzwerkverwaltungssoftware Intelligent Management Center (IMC). Hierzu zählen ein IMC VAN Manager, ein VAN Manager VMware Plugin und das IMC Extendend Application Program Interface (API). Das IMC VAN Manager Modul ist ab Juni zu einem Listenpreis von 9995 US Dollar verfügbar. Das VMware Plugin erhalten Kunden mit dem Modul ohne Zusatzkosten. Die IMC Extended APIs ist in der Enterprise-Version von HP IMC kostenlos. Will man eine Standard-Version von HP IMC nutzen, kostet es 9995 US Dollar.

Cloud-Service für Fertigungsunternehmen

Weil auch die Produktentwicklung in der Fertigungsindustrie komplexer wird, bietet HP Services für den Aufbau einer „Engineering Cloud“ an. In einem „Engineering Cloud Experience Workshop“ lernen Teilnehmer, wie sie die Unternehmens-IT an die Anforderungen von Ingenieurs-Teams anpassen, kritische Erfolgsfaktoren ermitteln und eine Roadmap zur Verbesserung der Leistungsfähigkeit definieren. In der „Engineering Cloud Rapid Investment Analysis“ untersucht HP die bestehende Architektur einer Firma und schlägt mögliche Investitionen für die Modernisierung vor. Das „Engineering Cloud Proof of Concept“ überprüft mögliche Effizienzsteigerungen, die sich durch Transformations-Projekte erzielen lassen. Auf virtuellen Desktops können Kunden zum Beispiel 3D-Grafiken erstellen und Engineering-Modelle sowie Entwickler-Anwendungen nutzen.

Die „Engineering Cloud Feasability Analysis“ bietet einen Überblick über Nutzen, Risiken und Hindernisse einer Transformation. Hierfür analysiert HP Engineering-Prozesse, Rechenzentren, Infrastruktur, Speicher und Netzwerke. Schließlich stellt der „Engineering Cloud Strategy and Business Case Service“ Vor- und Nachteile neuer oder optimierter Rechenzentren dar. Dazu zählt beispielweise eine Wirtschaftlichkeitsberechnung sowie eine Projekt-Roadmap, die auf die Unternehmensziele abgestimmt wird und Kosten berechnet.

Der Artikel wurde am 18. April 2012 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.