Das Konzept von Open Source ist schnell erklärt: Eine Software oder ein Produkt unterliegt einem öffentlichen Lizenzmodell oder den Creative Commons. In vielen Fällen ist dadurch die Weiterentwicklung auf Basis des ursprünglichen Quellcodes oder Bauplans erlaubt. Dieses Prinzip findet neben freien Programmen auch in der Gestaltung von Websites und physikalischen Produkten Anklang. So sammelt das Portal von Thingiverse digitale Design-Daten, die von Entwicklern frei zur Verfügung gestellt werden. Möchte man beispielsweise einen bestimmten Gegenstand mit seinem 3D-Drucker nachbauen, lassen sich die CAD-Baupläne von der Website herunterladen.

„Physical Computing“

Ähnlich funktioniert das Konzept von Open Source Design oder Open Design. Designer entwerfen ein physisches Produkt und bieten es zum Nachbau im Internet an. Ein Beispiel ist Open Mirror auf der Website Digital Habit(s). Der Spiegel integriert eine Docking-Station für Apples iPhone und iPod. Für das iPhone 5 ist allerdings ein Lightning-Adapter notwendig. Um die Geräte anzuschließen, wird der obere Teil des Spiegels nach links verschoben und ein Dock kommt zum Vorschein.

Wirklich spannend ist die Steuerung des Gadgets. Auf der Unterseite befinden sich drei Sensoren, die das sogenannte „Physical Computing“ möglich machen. Praktisch ausgedrückt: Bewegt man seine Hand auf der Unterseite des Spiegels von rechts nach links, spielt der iPod den nächsten Song ab. Diese Geste kann auch in die entgegengesetzte Richtung erfolgen – der MP3-Player springt dann zum vorherigen Lied. Zudem lässt sich laut Entwickler-Team die Bewegung für die Lautstärkeregulierung sowie Play beziehungsweise Pause wiederholen.

Freier Download für den Nachbau

Wen diese Idee überzeugt, kann sich bei Digital Habit(s) alle benötigten Informationen für den Nachbau frei herunterladen. Dazu gehören unter anderem Dateien mit den Bauplänen für die einzelnen Komponenten, eine Software für die Steuerung der Sensoren und eine Anleitung. Die Software und Daten unterliegen den Creative Commons (CC BY-NC-SA). Die Schöpfer des Open Mirror genehmigen damit die Weitergabe und Entwicklung der zur Verfügung gestellten Software sowie Dateien. Allerdings ist die Namensnennung obligatorisch. Die Weitergabe der Informationen muss unter den gleichen Bedingungen wie bei Digital Habit(s) geschehen – eine kommerzielle Verbreitung durch Dritte ist also ausgeschlossen.

Letztlich wollen aber auch die Macher von Open Mirror mit ihrer Entwicklung Geld verdienen. Hierfür bieten sie verschiedene Pakete an. Der fertig montierte Spiegel mit Docking-Station kostet im Online-Shop von Digital Habit(s) 549 Euro plus 27 Euro Versand nach Deutschland.

Der Artikel wurde am 11. Juni 2013 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.