Eine Frage wird regelmäßig in der wissenschaftlichen Forschung diskutiert: Wie sieht die Arbeit von morgen aus? Dabei postulieren zahlreiche Studien, dass sich die Arbeitswelt in einem tiefgreifenden Wandel befindet. Langfristige Beschäftigungsverhältnisse werden danach seltener, die Fluktuation in den Unternehmen steigt, und immer öfter ersetzen freie Mitarbeiter oder Angestellte von Subunternehmen fest angestelltes Personal.

Herausforderungen für Mitarbeiter und Unternehmen

Die Verfügbarkeit von zuverlässig hohen Bandbreiten und leistungsfähigen mobilen Endgeräten hat zur Folge, dass eine wachsende Anzahl von Mitarbeitern mobil oder vom Home Office aus arbeitet. Der direkte Zugriff auf die Ressourcen des Arbeitgebers kann von jedem beliebigen Ort aus geschehen, was ein Unternehmen und dessen Mitarbeiter vor erhebliche Herausforderungen stellt.

Was sich allerdings diesbezüglich in der Arbeitswelt genau abspielt und wie der Strukturwandel sowie die technologischen Veränderungen zusammenwirken, ist bisher nur wenig erforscht. Einen Beitrag zur Forschungsdebatte liefert die mehrteilige Studie „Evolving Workforce Research“ der Unternehmen Dell und Intel, die Veränderungen der Arbeitswelt in der Internet-Ära untersucht. Der erste Teil der Studie leitet vor dem Hintergrund sozialer und politischer Faktoren sieben Trends für die Entwicklung der Arbeitswelt ab.

Crowdsourcing

In der Arbeitswelt von morgen arbeiten Menschen in virtuellen Teams zusammen, oft ohne sich zu kennen. Diese Teams werden kurzfristig zusammengestellt und sind über moderne Kommunikationsmittel verbunden. Anders als in vielen heutigen Projekten definiert sich diese Crowd vor allem funktional und weniger durch Hierarchien. Pervasive IT und Cloud Computing bieten dafür eine technische Grundlage. Die Mitarbeiter in solchen virtuellen Teams gehen oft kein festes Beschäftigungsverhältnis ein, sind flexibel und daran gewöhnt, mit stark schwankenden Einkommensverhältnissen zurechtzukommen. Das kann zwar kurzfristig zu einer Steigerung der Produktivität führen, langfristig können Unternehmen aber auch Schwierigkeiten bei der Bindung von Spezialisten bekommen.

Das Ergebnis muss stimmen

War die Arbeitswelt bisher primär über die vertraglich geregelte Arbeitszeit organisiert, so rückt jetzt das Arbeitsergebnis in den Fokus. Da sich die Produktivität der Arbeitsprozesse gerade unter den Bedingungen des Crowdsourcings nur unzureichend über die Anzahl aufgewendeter Stunden erfassen lässt, werden zunehmend Output-orientierte Messmethoden eingeführt.

Einsatz von mobilen Geräten

In Unternehmen werden unterschiedliche Endgeräte und Betriebssysteme verwendet, die auf die jeweiligen Einsatzbereiche abgestimmt sind. Cloud Computing bietet dafür eine Fülle von Möglichkeiten, da die jeweiligen Endsysteme damit auf einen praktisch unbegrenzten Vorrat an Daten und Anwendungen zugreifen können. Kompatibilität, Interoperabilität und Datensicherheit sind dabei entscheidende Faktoren. Nur solche Systeme werden sich durchsetzen, die sich nahtlos in die IT-Landschaften integrieren lassen.

Generationenkonflikte

Die Generationen sind einen unterschiedlichen Umgang mit IT und mit Kommunikationstechnik gewohnt. Das kann zu Spannungen zwischen erfahrenen und jüngeren Mitarbeitern führen. Letztere sind vielleicht Digital Natives, haben aber nicht den Erfahrungsschatz ihrer älteren Kollegen. Generell werden die Arbeitsteams künftig heterogener zusammengesetzt sein, nicht nur hinsichtlich des Alters, sondern auch was den kulturellen oder ethnischen Hintergrund betrifft. Erfolgsentscheidend wird auch sein, ob es gelingt, den Wissensaustausch zwischen Generationen und Gruppen voranzubringen.

Werte versus Regeln

Die IT gibt Unternehmen Möglichkeiten, die Leistung ihrer Mitarbeiter umfassend zu analysieren. Arbeitsprozesse werden auf dieser Basis reglementiert und kontrolliert. Da ein gutes Vertrauensverhältnis zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer elementar ist, müssen beide Seiten einander vertrauen. Zukunftsorientierte Firmen könnten daher eher auf ein werte- als auf ein regelbasiertes Modell bauen.

Innovative Mitarbeiter

Innovationen werden künftig weniger vom Management eingebracht als von Mitarbeitern, die ihre privaten Geräte und Anwendungen auch im beruflichen Umfeld nutzen. Diese Beschäftigten sind mit IT sozialisiert und wollen ihren selbstbestimmten Lebensstil beibehalten, wozu der Gebrauch von privaten Notebooks und Smartphones ebenso gehören kann wie Social-Media-Aktivitäten. Die Mitarbeiter sind mit den Systemen in der Regel bestens vertraut und können mit ihnen effizient arbeiten, so dass Restriktionen von Seiten der Unternehmen kontraproduktiv wären. Sie müssen daher Verfahren entwickeln, um diese privaten Systeme in ihre IT-Strukturen zu integrieren.

Neue Aufgaben für die IT

Mit dieser Consumerization entstehen neue Anforderungen an die IT. Sie muss die Entwicklungen und die Bedürfnisse der Mitarbeiter aufgreifen und dabei bedenken, dass sich neue Mitarbeiter bewusst wegen der Verfügbarkeit moderner Systeme für einen Arbeitgeber entscheiden. Die IT-Verantwortlichen sollten solche über herkömmliche IT-Themen hinausreichenden Aspekte in ihren Aufgabenkatalog aufnehmen.

Fazit

Da der Wandel durch die rasante Entwicklung der Kommunikationstechnik vorangetrieben wird, sollen Arbeitgeber den Hebel an dieser Stelle ansetzen und individuelle Konzepte zum Umgang damit entwickeln. Die Integration der sozialen Medien, die Bereitstellung einer umfassenden Kommunikationsstruktur und die Einbindung privat genutzter Geräte bieten Chancen, um Arbeitnehmer an ein Firma zu binden und die Arbeit effektiv zu gestalten.

Der Artikel wurde am 08. Januar 2012 auf COMPUTERWOCHE.de publiziert.